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Qualitätsstandards „Trauerprozesse im Rahmen von Beratung und Psychotherapie“ (Befähigungskurs für Trauerbegleitung in spezifischen Berufsgruppen)

Einleitung

Trauer ist eine natürliche und gesunde menschliche Reaktion, mit der wir auf Verluste aller Art reagieren, seien es Verluste eines geliebten Menschen durch Tod oder Trennung, Verluste von Heimat, Arbeitsplatz, Gesundheit, bestimmten Lebensphasen oder Selbstbildern. Meist können Trauernde aus eigener Kraft bzw. mit Unterstützung ihres Umfeldes oder von Trauerbegleitungsangeboten mit ihrer Trauer leben lernen.

Im Bundesverband Trauerbegleitung sind Qualifizierende in einer eigenen Fachgruppe zusammengeschlossen, die nach einheitlichen Qualitätsstandards haupt- und ehrenamtliche Trauerbegleitende weiterbilden.

Verluste können auch Krisen auslösen, in denen Menschen Hilfe in Psychotherapie und Beratung suchen, sei der Verlust kürzer oder länger zurückliegend. Hier kommen häufig zum Trauerprozess psychische und biografische Vorbelastungen hinzu. Außerdem spielen Abschiedsprozesse in unzähligen Beratungen und Psychotherapien eine wichtige Rolle, auch wenn der Anlass des Hilfesuchens ein anderer war.

Psychotherapeut*innen und ausgebildete Beratende aller Schulen haben in Deutschland oft noch zu wenige Kenntnisse über Trauerprozesse. Trauernde beklagen immer wieder, dass sie sich mit ihren Anliegen gerade in Psychotherapien nicht gut aufgehoben fühlen.

Die Fortbildung „Trauerprozesse im Rahmen von Psychotherapie und Beratung“ ist ein Angebot, um Psychotherapeut*innen und ausgebildeten Beratenden Informationen zu vermitteln, mögliche Berührungsängste dem Thema Trauer gegenüber abbauen zu helfen und im Rahmen der psychotherapeutischen oder Beratungsausbildung eventuell ausgesparte Selbsterfahrungsprozesse zum Thema zu ermöglichen.

Die vorliegenden Standards sind aus dem Anliegen heraus entstanden, psychotherapeutisch Tätige und ausgebildete Beratende qualifiziert und schulenübergreifend zum Thema fortzubilden. Daneben werden Bemühungen unterstützt und Kooperationen angestrebt, das Thema Trauer in die Ausbildung der verschiedenen psychotherapeutischen und beraterischen Schulen zu integrieren.

Vorbemerkung

Über die Teilnahme an Kursen zu Trauerprozessen im Rahmen von Beratung und Psychotherapie entscheiden die jeweiligen Anbieter.

Die Vergabe von Fortbildungsbescheinigungen der entsprechenden Kurse setzt Fortbildungen nach den unten beschriebenen Kriterien voraus.

Für folgende Kurse ist eine Zertifizierung nach den Qualitätsstandards des Bundesverbandes Trauerbegleitung e. V. möglich:

  • Fortbildung „Trauerprozesse im Rahmen von Beratung und Psychotherapie“
    • offene Ausschreibung
    • 45-75 Unterrichtseinheiten je 45 Minuten, mindestens teilweise als Blockseminare
    • Selbststudium

Voraussetzung zur Teilnahme an der Fortbildung

  • hauptamtliche Tätigkeit im Feld Beratung oder Psychotherapie (freiberuflich, niedergelassen, im klinischen Bereich, in einer Beratungsstelle oder Ähnliches)
  • abgeschlossene Beratungs- oder therapeutische Ausbildung/Weiterbildung (nach den Standards der deutschen Gesellschaft für Beratung e.V. oder der verschiedenen psychotherapeutischen Fachgesellschaften, mindestens dreijährig)
  • Bereitschaft zur Selbsterfahrung im Themenfeld Sterben, Tod, Trauer, Spiritualität
  • beraterische oder therapeutische Grundhaltungen wie Respekt vor Individualität und Würde, Empathie, Echtheit, Beziehungsfähigkeit
  • Reflexion, Selbstreflexion

Organisatorische Rahmenbedingungen

  • Die Arbeitsinfrastruktur wird derart gestaltet, dass sie wissens-, gruppen- und prozessorientiertes Lernen fördert.
  • Der Wissenserwerb wird unterstützt durch Zugang zu Fachliteratur und anderen fachbezogenen Medien.
  • Die Fortbildungsinhalte werden mindestens zu 80% innerhalb der Präsenzphase vermittelt.

Fachkompetenz

  • Grundwissen über Trauerprozesse (historische und aktuelle Konzepte)
  • Unterscheidung Trauerbegleitung-Beratung und Psychotherapie
  • Unterscheidung zwischen nicht-erschwerter, erschwerter, traumatischer und komplizierter Trauer/anhaltender Trauerstörung
  • aberkannte Trauer
  • Wissen über den Einfluss von Bindungserfahrungen und psychischen Vorerfahrungen bzw. Störungen auf Trauerprozesse
  • Erkennen von Trauerprozessen in und als Subtext von anderen Themen in der beratenden und therapeutischen Arbeit mit Klient*innen

Selbstkompetenz

  • Persönliche Auseinandersetzung mit den Themen Krankheit, Sterben, Tod und Trauer in der eigenen Biografie
  • Erkennen von Familienmustern der eigenen Familie im Umgang mit Verlust und Trauer
  • Zugang zu eigenen Ressourcen im Umgang mit Verlusten und in der therapeutischen Arbeit
  • Reflexion der eigenen impliziten Trauer- und Störungstheorien
  • Reflexion
    • der eigenen Weltanschauung und Spiritualität
    • des eigenen Menschenbildes
    • der eigenen therapeutischen Haltung und des Methodenspektrums
    • der eigenen Rolle in der Psychotherapie
  • Selbstfürsorge, Reflexion der eigenen Schutz- und Abwehrmechanismen
  • Achtung vor der Entscheidungsfähigkeit, den Werten, den Umgangsstrategien und Ressourcen der trauernden Klienten

 Handlungskompetenz

  • Verluste in Anamnesen stärker berücksichtigen
  • Kombinieren von Psychotherapie, Beratung und Trauerbegleitung je nach aktuellem Schwerpunkt im unterstützenden Prozess
  • Bleiben, Da-Sein, Geduld, Aushalten als Schlüsselkompetenzen im Umgang mit aktueller Trauer (ca. im ersten Jahr) erkennen und praktizieren
  • Anwenden der bereits geläufigen psychotherapeutischen Methoden bei unterschiedlichen Traueraufgaben
  • Erwerben neuer passender Methoden der Begleitung eines Trauerprozesses
  • Verbindungen von alten Verletzungen, Bindungs-und anderen Störungen mit aktuellem Trauererleben erkennen, thematisieren, bearbeiten
  • Therapeutische Bearbeitung von komplizierter und traumatischer Trauer bzw. Vernetzung und/oder Überweisung
  • Wahrnehmen und Stärken von Ressourcen und Selbstwirksamkeit in Trauerprozessen
  • Historische und aktuelle Trauermodelle und –theorien
  • neuere Entwicklungen in der Trauerforschung: u.a. Continuing bonds (Klass, Kachler), reconstruction of meaning (Neimeyer), Duales Prozessmodell (Stroebe et al.)
  • Verschiedene Jenseitsvorstellungen
  • Verschiede Möglichkeiten der  bleibenden Verbindung mit den Verstorbenen, z. B. durch Rituale, Leerer Stuhl
  • Unterschied nicht erschwerte Trauer, erschwerte, traumatische Trauer, „anhaltende Trauerstörung“ , Verknüpfung mit Störungsbildern, z. B. Angst, Bindungsstörung
  • Trauer und Trauma
  • Trauer -Depression
  • Umgang mit lange zurückliegenden Verlusten
  • Ressourcenorientierte Arbeit, Resilienz
  • Unterscheiden und Integrieren von Therapieaufträgen und Anwenden angemessener Methoden (Trauerbegleitung versus Störungsbehandlung)
  • Pendeln zwischen Stabilisieren und Aufdecken (Wiederherstellungs- versus VerlustorientierungOptional:
  • Trauer nach Suizid und Gewaltverbrechen
  • Elterntrauer
  • Trauer bei Kindern und Jugendlichen
  • Transgenerationale Trauer
  • verbale und nonverbale Methoden der Verlustbearbeitung
  • kreative Methoden
  • körperorientierte Methoden
  • Praxistransfer, z.B. Fallbesprechung, Rollenspiel, Simulation, Supervision
  • Selbsterfahrung
  • Selbstreflexion, z.B. Feedback
  • Wissensvermittlung, z.B. Vorträge, Kleingruppenarbeit, Eigenstudium und Präsentation, Besprechung von Lehrfilmen, Literaturstudium

Fachliche Qualifizierung der Kursleitung

  • akademische Ausbildung
  •  entweder
    • Approbation als Psychotherapeut*in oder als ärztliche(r) Psychotherapeut*in                    oder
    • mehrjährige Psychotherapieausbildung, die von einer der folgenden Fachgesellschaften anerkannt ist:
        • Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie e.V. (DGH), www.dgh-hypnose.de
        • Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie e.V. (DGIP), www.dgip.de
        • Deutsche Gesellschaft für Körperpsychotherapie e.V. (DGK), www.koerperpsychotherapie-dgk.de
        • Deutsche Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse e.V. (DGLE), logotherapie-gesellschaft.de
        • Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V. (DGPT), www.dgpt.de
        • Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e.V. (DGSF), dgsf.org
        • Deutsche Gesellschaft für Transaktionsanalyse (DGTA), dgta.de
        • Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT), dgvt.de
        • Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie (DPGG), www.dpgg.de
        • Deutsche Vereinigung für Gestalttherapie e.V. (DVG), dvg-gestalt.de
        • Deutscher Fachverband für Psychodrama e.V. (DFP), www.psychodrama-deutschland.de
        • Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e. V. (DVT) www.verhaltenstherapie.de
        • Deutscher Verband für Neuro-Linguistisches Programmieren e. V. (DVNLP), www.dvnlp.de
        • Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DGePT), www.degpt.de
        • Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse in Deutschland e.V. (GLE-D), www.gle-d.de
        • Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V. (GwG), gwg-ev.org
        • Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnotherapie e.V. (M.E.G), www.meg-hypnose.de/home
        • Systemische Gesellschaft e. V. (SG), www.systemische-gesellschaft.de
        • vergleichbare abgeschlossene psychotherapeutische Weiterbildung im Einzelfall
  • abgeschlossene große Basisqualifikation in Trauerbegleitung oder vergleichbare Qualifikation
  • mindestens drei Jahre psychotherapeutische Praxis
  • mindestens drei Jahre Trauerbegleitungspraxis
  • mehrjährige Erfahrung in der Kursleitung von Fort- und Weiterbildungen

Selbstreflexion

  • durch Supervision, kollegiale Beratung oder Praxisbegleitung

Nach einer aktiven und regelmäßigen Teilnahme an der Fortbildung wird eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Diese dokumentiert die Teilnahme an der „Fortbildung zur Begleitung von Trauerprozessen im Rahmen von Beratung und Psychotherapie”. In ihr werden die Inhalte und der Umfang des Kurses aufgeführt. Über die Vergabe der Teilnahmebescheinigungen entscheiden die Kursleiter als Träger der Bildungsmaßnahmen.

Der Kurs wird nach gängigen wissenschaftlichen Kriterien evaluiert.