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Texte und Videoempfehlungen

Trauerbegleitung für Eltern nach dem Tod ihres Kindes

Für Eltern bleibt ihr Kind immer ihr Kind, unabhängig von seinem Alter. Und wenn ein Kind stirbt, herrscht in der betroffenen Familie und in deren sozialem Umfeld Fassungslosigkeit.

Immer wieder fragen mich Menschen aus dem Umfeld Betroffener, was Trauerbegleitung dann eigentlich ‚macht‘ und was unterstützend möglich ist, wenn in einer Familie ein Kind stirbt.

Wichtige Fragen, deren Beantwortung mir am Herzen liegt, um beim Tod eines Kindes gesellschaftliche Berührungsängste abzubauen und hilfreiche Begegnungen mit den Familien zu ermöglichen.

Ich habe das zum Anlass genommen, einige wichtige Gedanken dazu einmal aufzuschreiben und kurz, also keinesfalls vollständig, zusammenzufassen:

Allein die Vorstellung, dass eigene Kind könnte sterben, bringt Mütter und Väter gedanklich an ihre Grenzen.

Wenn diese Vorstellung dann zur Realität wird, gibt es keine Worte die trösten und es scheint für die betroffenen Mütter und Väter zunächst unvorstellbar, dass das eigene Leben trotzdem irgendwie weitergeht. Und doch folgt immer ein neuer Tag auf den anderen. Am Anfang geht es dabei oft um pures, emotionales Überleben.

Menschen aus dem Umfeld reagieren häufig etwas befremdet, wenn Mütter und Väter kurz nach dem Tod ihres Kindes nach außen gut funktionieren, sehr rational und vermeintlich stark und gefasst erscheinen. Für diese Mütter und Väter ist diese rationale Ebene in dieser ersten Zeit ein wichtiger Schutzmechanismus, wenn für Körper und Seele die Heftigkeit dieses Verlustes, der Not und der Verzweiflung noch nicht aushaltbar sind.

Bis die Gefühle zugelassen und die Trauer durchlebt werden kann, können Tage, Wochen, Monate vergehen.

Wertvoll ist es immer, wenn trauernde Familien ein stabiles soziales Netz mit Menschen an ihrer Seite haben, die ihre Tränen, ihre Verzweiflung und die vielen Fragen nach dem ‚Warum‘ mit ihnen aushalten. Bitte ohne den Anspruch, Gefühle ‚wegtrösten‘ zu wollen!

Eine Mutter hat es einmal so ausgedrückt: „Alle wollten mich trösten, doch ich wollte keinen Trost und auch keine Ratschläge, denn meine Trauer war alles, was mir in diesem Moment von meinem Kind blieb. Ich wollte meinem Kind nah sein, ich wollte um mein Kind weinen und ich wollte untröstlich sein.“

Die Schwere dieser Trauer anerkennen, das ist es, was hilft. Da tun ein schlichtes „Ich bin bei dir“ oder eine stille Umarmung gut. Auch ein „Ich fühle mich hilflos, ich weiß gerade nicht, was ich sagen oder tun soll“ ist ehrlich und in Ordnung.

Jede Trauer wird anders erlebt und jeder Trauernde braucht seine Zeit, für seinen Weg, in seinem Tempo. Das, was seinem Herzen beim Überleben hilft.

Trauernde Eltern wissen meist intuitiv, was sie dazu brauchen und was ihnen guttut. Dieses Wissen ist im Augenblick der Katastrophe aber oft erstmal verschüttet. Als Trauerbegleiterin unterstütze ich diesen Prozess und arbeite mit Müttern und Vätern, immer mit Blick auf ihren Bedarf, ganz individuell daran, ihre eigenen Ressourcen wieder zu spüren und zu aktivieren, um auch mit dem Tod ihres Kindes das eigene Leben irgendwann gut weiterleben zu können.

Auch die Geschwistertrauer ist ein wichtiges Thema. Um sie angemessen wahrzunehmen und zu unterstützen, spielt das Alter der Geschwister und ihr damit verbundenes Verständnis vom Tod eine bedeutende Rolle. Es ist gut und wichtig, wenn für sie ein*e eigene*r Trauerbegleiter*in mit altersentsprechenden Trauerangeboten da ist.

Eine der schwersten Traueraufgaben ist es, den Tod des eigenen Kindes als unabänderliche Realität anzuerkennen und in das eigene Weiterleben gut zu integrieren. Das dauert. Lange. Eltern fühlen ihre Trauer oft im zweiten Jahr viel intensiver. Zu einer Zeit, wenn Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn und Bekannte sich meist emotional wieder distanzieren und mehr Normalität erwarten, weil es ja nun schon ‚so lange her‘ ist. Es braucht Jahre, bis die Mütter und Väter vollständig in ihrer neuen, anderen Form von Alltagsleben ankommen.

So gehört es auch zu meinen Aufgaben als Trauerbegleiterin, neben der Begleitung der Familien auch für das private und berufliche Umfeld von Betroffenen ansprechbar zu sein, zu informieren und zu sensibilisieren.

Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Einzel-/ und Familienbegleitung in Düsseldorf und Umgebung, ergänzend führe ich zwei Trauergesprächskreise, die jeweils einmal monatlich stattfinden.

Der Weg durch die Trauer ist lang und kein ‚Sprint‘, sondern immer ein ‚Marathon‘, anstrengend und schmerzvoll.

Trauer ist aber auch nachgetragene Liebe, voller Erinnerungen und Verbundenheit. Und das darf bleiben – ein Leben lang.

(Sylvia Schleuter, Trauernde Eltern Düsseldorf)

Viele unserer Mitglieder haben Möglichkeiten gefunden bei aller notwendigen Distanz trauernde Menschen zu begleiten. Über unsere Suchfunktionen können Sie sich Unterstützung suchen. Andere hilfreiche Links und Kontaktdaten haben wir Ihnen hier zusammengestellt.

  • Deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
    https://www.deutsche-depressionshilfe.de
  • Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS): Adressen von helfenden Einrichtungen, Ansprechpartner nach Bundesländern geordnet, Tagungen, Hintergrundinformationen zu Suizidalität
    http://www.suizidprophylaxe.de
  • Kompetenznetzwerk zur Begleitung von Krise, Tod und Trauer in Zeiten von Corona KontaCt2020 unseres Mitgliedes Chris Paul
    https://www.chrispaul.de/kontact2020/
  • Telefonseelsorge der evangelischen und katholischen Kirche: bundesweit unter der kostenfreien Rufnummer 0800/11 10 111 oder 0800/11 10 222 rund um die Uhr, telefonische Beratung, Austausch per Mail und Chat
    http://www.telefonseelsorge.de
  • Internetseelsorge.de ist Ihr Portal zu katholischen Seelsorgeangeboten im Internet
    http://www.internetseelsorge.de/

Ein Beitrag zu "Bestattungsritualen in Zeiten von Corona" aus dem Blog von Friedlotse


Ein Beitrag mit Tipps von Aeternitas für "Trauern in außergewöhnlichen Zeiten"


Ein Blog von Chris Paul zum Thema Trauer und Corona

 

Ein Beitrag zum Thema "Was in der Trauer (nicht) hilft"


Ein Beitrag zum "Thema Abschied gestalten bei Bestattungen unter Corona" von unserem Mitglied Jan Möllers, von Memento Bestattungen in Berlin.


Ein Podcastbeitrag "Trauern in der Pandemie" von unserem Mitglied Christine Kempkes


Ein Beitrag von Sarggeschichten zum Thema "Abschied aus der Ferne"

Ein Interview von ntv.de mit Christian Fleck

Plötzlicher Trauerfall

"Es geht darum, die Beziehung neu zu gestalten"
Wenn ein geliebter Mensch ganz unerwartet stirbt, herrscht in den meisten Fällen erst einmal
Fassungslosigkeit bei den Angehörigen. Das Leben ändert sich schlagartig radikal. Wie kann man mit
so einem Verlust fertig werden?
Egal, ob durch einen Verkehrsunfall, einen Suizid oder eine Gewalttat: Unerwartete Todesfälle sind ein
regelrechter Schock für die Hinterbliebenen. Da keine Möglichkeit zum Abschied bestand und man
nicht darauf vorbereitet war, dauert die Trauerarbeit anschließend oft besonders lang. Das trifft umso
mehr zu, wenn es sich bei dem Verstorbenen um einen jungen Menschen handelt. Schließlich haben
Kinder und Jugendliche ihr ganzes Leben noch vor sich.
Die Angehörigen werden bei einem plötzlichen Verlust eines nahestehenden Menschen nicht selten
von Schuldgefühlen geplagt. Sie glauben, dass der Tod desjenigen hätte verhindert werden können,
wenn sie nur dies oder jenes vorher getan oder nicht getan hätten. Solche und viele andere
belastenden Gefühle prägen die Wochen, Monate und oft sogar Jahre der Trauer. Wie kann man mit
so einem Schicksal einigermaßen umgehen?

Menschliches Verschulden verlängert die Trauer

Trauerbegleiter und Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung Christian Fleck weiß,
dass ein plötzlicher Tod oft als besonders belastend empfunden wird: "Zur Trauersituation kommt die
Plötzlichkeit dazu, der man sich stellen muss. Die kann ein Leben von jetzt auf gleich durcheinander
bringen und das tut sie meist auch", sagt er im Gespräch mit ntv.de.
Die Trauerarbeit wird Studien zufolge zusätzlich noch erschwert, wenn der Verstorbene durch
menschliches Verschulden zu Tode gekommen ist. Ist die betreffende Person beispielsweise ermordet
worden oder hat ein alkoholisierter Fahrer den tödlichen Verkehrsunfall herbeigeführt, verstärken
sich negative Gefühle wie Wut und Traurigkeit bei den Angehörigen.
Wie bei allen anderen Trauerfällen auch, durchlaufen die nahestehenden Personen eines
Verstorbenen nach dem Modell von der Schweizer Psychologin Verena Kast vier verschiedene
Trauerphasen (Nicht-wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen, Suchen und Sich-Trennen, neuer
Selbst- und Weltbezug). Diese Reihenfolge ist jedoch äußert variabel: "Jeder kann zu jeder Zeit in eine
andere Phase wechseln. Es können Phasen übersprungen oder wieder aufgenommen werden",
betont Fleck.

Was hilft trauernden Angehörigen?

Die wohl größte Herausforderung nach dem ersten Schock ist es, einzusehen, dass man den Verlust
eines geliebten Menschen nicht mehr rückgängig machen kann. Trauerrituale wie die Beerdigung
können in so einer Situation dennoch das Gefühl geben, handlungsfähig zu bleiben: "Wir können
entscheiden, wie wir oder der Verstorbene es gern hätten. Zum Beispiel sucht man Blumen in der
Farbe aus, die der Tote gern mochte, und bringt sie zur Trauerfeier mit. Es ist nur ein kläglicher Ersatz,
aber es kann eine Hilfe sein", so der Trauerbegleiter.
Wie Trauer im Einzelfall aussieht, ist höchst individuell. "Es geht immer darum, die Beziehung zum
Verstorbenen neu zu gestalten. Er war ein Teil des Lebens, dessen Platz neu organisiert werden
muss", erklärt Fleck. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern dauert oft sehr lange. Bis dahin
halten manche Menschen an der Vergangenheit fest, indem sie beispielsweise das Zimmer des
Verstorbenen so belassen, wie es vor dessen Ableben gewesen ist. Andere flüchten regelrecht vor
ihrer Trauer, indem sie etwa in eine neue Stadt ziehen und alle Erinnerungen beseitigen.
"In einem Fall besteht die Gefahr, die Zukunft des sich entwickelnden Lebens nicht wahrzunehmen und im
anderen Fall die Vergangenheit vor lauter Flucht nach vorn zu verlieren. Der eigentliche Weg ist jener,
der zwischen beiden Seiten hin und her pendelt", sagt Fleck.
In der Trauer versuchen Angehörige, die Beziehung mit dem Verstorbenen aufrechtzuerhalten. Wie
das geschieht, ist sehr unterschiedlich: Die Übernahme des Kleidungsstils oder von Gewohnheiten
des Verstorbenen, Gespräche mit anderen über die gemeinsam verbrachte Zeit oder die Idealisierung
der Person sind hier nur einige der vielen Bewältigungsstrategien. "Die Traurigkeit wird die einzige
Variante des inneren Kontakthaltens sein, solange sich andere Kontaktmöglichkeiten noch nicht als
tragfähig genug gezeigt haben", betont der Trauerbegleiter. In der Krisenzeit beschäftigen sich oft
sogar nicht-religiöse Menschen mit dem Leben nach dem Tod. "Wenn man Trauernde fragt, wo ihrer
Meinung nach der Verstorbene jetzt ist, erzählen sie meist von einem positiv besetzten Ort. Solche
Vorstellungen sind für viele eine Hilfe", sagt Fleck. Um aus dem tiefen Loch herauszukommen, dürfen
sich Trauernde auch fragen, was der verstorbenen Person recht gewesen wäre, wie man mit dem
Verlust umgeht.
Irrtümlicherweise glauben viele Menschen, sie müssten ihre Trauer vollständig überwinden. Aber
darum geht es nicht. Die Trauer wird in den meisten Fällen ein lebenslanger Begleiter sein. Und das ist
auch völlig in Ordnung. Nur sollte sie nicht dauerhaft das eigene Leben dominieren und die Lust am
Leben nehmen. Meist dauert es ein bis fünf Jahre, bis der Verlust einer wichtigen Bezugsperson
einigermaßen verarbeitet wurde und man wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken kann. Hat man
das Gefühl, mit der Trauer überfordert zu sein oder kommt man auch nach Jahren kein Stück weiter,
sollte man sich Unterstützung holen. Psychotherapeuten. Selbsthilfegruppen oder auch
Trauerbegleiter können in solchen Fällen dabei helfen, neuen Lebensmut zu schöpfen.

Wie mit einer trauernden Person umgehen?

Gerade bei einem schweren Verlust, wie dem Tod eines Kindes, fühlt sich das bisherige Umfeld häufig
überfordert im Umgang mit dem Trauernden. Nicht selten kommt es sogar zu einer regelrechten
Distanzierung. Doch es kann verletzend sein, wenn Bekannte oder Freunde plötzlich die Straßenseite
wechseln. Der Trauerbegleiter rät deshalb dazu, den Kontakt zu suchen und die trauernde Person zu
fragen, was sie braucht oder gern hätte. "Wenn man sprachlos ist, sollte man das zugeben. Das tut
gut, denn der Trauernde ist in vielen Aspekten auch hilflos", sagt er.
Es geht schließlich nicht darum, Ratschläge zu verteilen, die in den meisten Fällen sowieso nichts
bringen. Einfach nur da sein, zuhören und Interesse an dem für den jeweils anderen wichtigem
Thema zeigen, helfen dem Trauernden viel mehr. "Ein Umfeld, das sensibel ist, respektiert und sich
mit Wertungen zurückhält, hilft dem Trauernden", betont Fleck. Hierzu gehören häufig Gespräche
über den Toten: "Manche hören sich beim Erzählen vom Verstorbenen lebendiger an, als vorher." Das
liegt daran, dass die betreffende Person in der erzählten Erinnerung plötzlich wieder lebendig wird.
Oft geht es dem Trauernden dann sogar besser, weil nicht mehr nur der Tod, sondern das ganze
Leben des Verstorbenen im Mittelpunkt steht.

 

Ein Text von Petra Sutor

Trauer in der Weihnachtszeit

Wenn die Tage dunkler und gefühlt kürzer werden, die Kälte uns umgibt und es auf Weihnachten zugeht, beginnt gerade für Trauernde eine noch emotionalere und oft deutlich schwerere Zeit. Weihnachten ist das Fest der Familie, der Rituale, der Liebe und der Emotionen. Wenn ein geliebter Mensch fehlt, dann hinterlässt dies eine Lücke, die auch großen Einfluss auf alle Rituale und Gewohnheiten in dieser Zeit haben kann.

Oft fehlt aber auch einfach die Kraft, lieb gewonnene Gewohnheiten weiter aufrecht zu erhalten. Wenn auch sonst der Alltag schwer fällt, dann fällt das Plätzchen backen, das Dekorieren vielleicht noch schwerer. Dann hängen an bestimmten Dingen viele Erinnerungen, die ausgehalten werden wollen. Geschenke, das Weihnachtsessen, der perfekte Baum – das alles erscheint nicht mehr so wichtig oder macht besonders traurig. Wozu noch Weihnachten feiern, wenn der geliebte Mensch, das geliebte Kind nicht mehr im Leben ist.

Die Weihnachtsfeiertage sind für Hinterbliebene auch deshalb oft so schwer, weil dann auch Freunde und Bekannte wenig oder keine Zeit haben. So kann es schnell sehr einsam werden und das nicht nur an Weihnachten, sondern auch an all den Tagen danach bis ins neue Jahr hinein.

Diese herausfordernde Zeit kann zur Achterbahnfahrt der Gefühle werden und dennoch ist auch diese Zeit wieder ein Weg im Trauerprozess. Alles darf sein, nichts muss. Jeden Tag neu schauen, kleine Schritte gehen, nicht zu viel von sich wollen oder erwarten.

Ich glaube ja, Trauer ist ein unfassbar großer Ausdruck von Liebe. Weihnachten, das Fest der Liebe. Im Schmerz fühlst Du vielleicht trotzdem auch und gerade dann die Liebe zu Deinem Verstorbenen. Vielleicht kannst Du in diesem Gefühl eine Verbindung schaffen, Gedanken schicken, einen Brief schreiben, Deiner Liebe Ausdruck verleihen.

Die Advents- und Weihnachtszeit kann auch eine Zeit sein, in der wir uns selbst ganz nah kommen. In der es unter einer dicken Decke mit einem Kakao, einer großen Packung Taschentüchern und vielen Kerzen auch ganz besonders traurig sein darf. In der aufgrund der Stimmung noch mehr Raum für die Trauer ist, die vielleicht sonst unter dem Hamsterrad des Alltags immer wieder versteckt wird. Du darfst in diesen Tagen und Wochen egoistisch sein. Was tut Dir gut, was kann Dich tragen? Welche Menschen würden Dir jetzt guttun? Gibt es jemanden, den Du gerne zwischen den Jahren treffen würdest? Welche kleinen Anker können helfen, die Balance zwischen Trauer und Durchatmen halten zu können? Manchmal kann es helfen, diese Wochen ganz gezielt mit Verabredungen zu planen, damit Du nicht ins bodenlose fällst. Was Du brauchst und Dir guttut, weißt nur Du – dies kann Dir niemand vorschreiben.

Es gibt an Weihnachten sehr schöne Rituale, die ich Dir gerne vorstellen möchte – vieles habe ich selbst dankbar genutzt.

  • Manche Familien schneiden an Weihnachten einen Zweig aus ihrem Weihnachtsbaum und bringen ihn auf das Grab – zum einen um die Lücke sichtbar zu machen, aber auch, um den geliebten Menschen in Weihnachten einzubinden und ihm einen Platz zu geben. Dieses Ritual findet sich in der Familiengeschichte der Familie von Dietrich Bonhoeffer wieder, von dem seine Schwester Sabine berichtet:

„Weihnachten 1918 ist alles sehr schwer. Unser Bruder Walter fehlt. Er, der zweitälteste Sohn meiner Eltern, ist am 28. April 1918 als achtzehnjähriger Fahnenjunker im Westen gefallen. Eine schreckliche Lücke ist nun da, und sie bleibt offen. An diesem Weihnachtstag sagt unsere Mutter: ‚Wir wollen nachher hinübergehen.Das Hinübergehen heißt, wir gehen alle auf den Friedhof. Mama und Papa sind vorher noch einmal ins Wohnzimmer gegangen und haben einen Tannenzweig vom Baum geschnitten mit einem Licht und Lametta und nehmen diesen Weihnachtszweig für das Grab von Walter mit. Auch in den folgenden Jahren ist es zu Weihnachten bei diesem Friedhofsgang geblieben.

  • Wir gehen jedes Jahr mit einer Kerze nach dem Weihnachtsgottesdienst auf den Friedhof – und sind jedes Mal gerührt über das Kerzenmeer, das an diesem Tag ganz besonders schön in der Dunkelheit flackert. Ganz bewusst verbinden wir uns mit unseren Verstorbenen an diesem Abend.
  • Du könntest an Weihnachten auch einen Platz für den Verstorbenen am Tisch eindecken. Vielleicht steht dann an diesem Platz auch eine besondere Kerze oder ein Bild.
  • Reihum könnte jeder eine schöne Anekdote über den geliebten Verstorbenen erzählen, um ihn am Weihnachtsabend lebendig werden zu lassen.
  • Manche Kirchengemeinden oder Organisationen bieten in der Weihnachtszeit und sogar an Heilig Abend Treffen für Hinterbliebene an, um der Einsamkeit und Trauer begleitet zu begegnen.
  • Trauerbegleiter können helfen, nicht alleine durch diese Zeit gehen zu müssen. Sie wissen, wie herausfordernd diese Zeit ist und unterstützen Dich bei Deinem ganz individuellen Weg.

Wie kann ich helfen, wenn jemand in meinem Umfeld trauert?

Und wer nicht selbst trauert, aber jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis hat, der trauert – im Übrigen ganz gleich, ob nach einem Todesfall oder einer schmerzlichen Trennung oder aber auch, wenn es dem Angehörigen gesundheitlich sehr schlecht geht – sei wachsam und achtsam. Es kann jeden treffen. Geh nicht auf Distanz, weil Du nicht weisst, wie Du damit umgehen sollst.

Die Trauer weniger werden zu lassen ist gar nicht Deine Aufgabe. Das wird vermutlich auch nicht passieren, aber eine liebevolle Anteilnahme kann den Weg durch diese Zeit erträglicher machen. Und wenn Du weiter weg wohnst, könntest Du ab und zu anrufen oder auch eine Karte schreiben. Selbst, wenn darin steht „ich weiß nicht, was ich sagen soll“, ist das immer noch besser, als zu schweigen. Frag nach, ob derjenige vielleicht mit Euch Weihnachten oder einen der Feiertage verbringen möchte, wenn dies für Dich vorstellbar ist. Was macht der Trauernde an Silvester? Du könntest fragen, ob Du ihn oder sie auf den Friedhof begleiten darfst. Akzeptiert aber auch eine Absage und frag gerne nach, was gerade gebraucht wird. Vielleicht bringst Du ein paar Plätzchen vorbei – Essen nährt Körper und Seele.

Dasein, zuhören – das ist es was uns Menschen verbindet und gerade an Weihnachten wünsche ich jedem, dass er Menschen um sich hat, die sich die Zeit und das Herz nehmen, Einsamkeit und Trauer einen liebevollen Rahmen zu geben

Petra Sutor

Trauerbegleiterin (BVT)

Autorin von „Trauer am Arbeitsplatz“ (Patmos Verlag, 2020)

Trauer – der Verlust von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen
aufgrund lebenslimitierenden Krankheiten

Es ist oft schwer zu verstehen, dass auch bereits junge Kinder und
Jugendliche schon am Ende ihres Lebens angekommen sein sollen. Mit
der Diagnose einer unheilbaren Erkrankung steht die Welt plötzlich
Kopf. Betroffene Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene mit
lebenslimitierenden Diagnosen wie u. a. Krebs, ALS oder sonstigen
schwerwiegenden Krankheiten, tragen ab jetzt eine besondere
Belastung. Aber auch Menschen mit einer andauernden, angeborenen
oder nach einem Unfall oder infolge einer schweren Erkrankung
erworbenen Behinderung; Wachkoma-Patienten oder Menschen mit
seltenen Erkrankungen über die es keine oder nur sehr geringe
Erfahrungswerte gibt und die Heilung meist vollkommen
ausgeschlossen ist, sowie deren Angehörige und Freunde.

All dies sind Herausforderungen, die einiges an Verständnis und
Durchhaltevermögen erfordern. Der unabdingbare Stress, die Angst, die
Selbstzweifel und die Zukunftsgedanken, die Sie nun durch Ihren Alltag
begleiten, zehren häufig an den noch verbliebenen Kraftreserven.

Ob Kinder oder Erwachsene; ob durch natürliche Alterung oder
schwere Erkrankung; der letzte Weg des Abschieds kann sehr schwer
sein. Am Ende des Lebens verdichten sich oft Beziehungen,
Erinnerungen und Erfahrungen. Sie werden ganz intensiv
wahrgenommen und erlebt. Dieser Prozess kann für Sie als akut
Erkrankten oder als Angehöriger bzw. Freund/in eine große
Herausforderung darstellen.

Wenn Sie dem Unausweichlichen gegenüberstehen und mit der
emotionalen Ausnahmesituation konfrontiert werden, fühlt sich der
letzte Weg oft steinig und unüberwindbar an. Doch so, wie Sie Ihr
Leben lang nach Lebensqualität streben, sollte die Einzigartigkeit und
Besonderheit, auch bis zuletzt, und insbesondere auch darüber
hinaus, aufrecht erhalten bleiben.

Mit den spezialisierten Trauerbegleiter/innen des BVT finden Sie
qualifizierte, warmherzige Menschen, die Ihnen zur Seite stehen und
gemeinsam mit Ihnen, selbst in Ihren schwersten Zeiten, Momente
der Glückseligkeit schaffen können.
Ob in Ihrer Trauer während des Abschieds oder in der Trauer nach
dem Übergang, gestalten Sie gemeinsam mit Ihren Vertrauten, durch
die Höhen und Tiefen Ihres nun kunterbunten Alltags, einen
geeigneten Prozess der Trauerbewältigung und schaffen Sie Platz für
Erinnerungen, die die Glückseligkeit in sich tragen – denn das Glück
liegt im Moment!

 

„Was die Raupe das Ende der Welt
nennt, nennt der Rest der Welt
den Schmetterling.“
Laotse

 

 

Ein Text von Ramona Zembrod