Qualitätsstandards

Standards in der Trauerbegleiterqualifikation

Zum Schutz von trauernden Menschen ist es wichtig, auf Qualität in der Trauerbegleitung zu achten. Diese kann nur erreicht werden, wenn auf Qualität in der Qualifizierung zur Trauerbegleitung geachtet wird. Darum hat der Bundesverband Trauerbegleitung e. V. Standards für Trauerbegleitungs-Qualifizierungen erarbeitet und es sich zur Aufgabe gemacht, diese kontinuierlich fortzuentwickeln.

Trauernde Menschen suchen Begleitung.
Trauer- und Sterbebegleitende brauchen Kompetenzen.
Kompetenzen müssen vermittelt und erworben werden.

Dabei wählt er bewusst die Bezeichnung „Qualifizierung“ statt „Ausbildung“, weil Fortbildungen und Qualifizierungen in Trauerbegleitung keine Berufsausbildungen, sondern ergänzende Qualifikationen sind.

Der Bundesverband Trauerbegleitung e. V. ist ein Zusammenschluss von lehrenden Fachkräften, die qualifizierte Fortbildung anbieten und durchführen – für Menschen, die mit der Begleitung Sterbender und Trauernder im Beruf, im ehrenamtlichen Engagement oder in ihrem persönlichen Umfeld konfrontiert sind; die in Erwachsenenbildung, Supervision und individueller Trauerbegleitung tätig sind. Seit dem 1.1.2014 können auch qualifizierte Trauerbegleitende Mitglied im BVT werden.

Die Qualifikationen haben die Zielsetzung einer erweiterten Handlungskompetenz in der Beratung und Begleitung durch Schulung der

  • Fachkompetenz
  • Selbstkompetenz
  • Methodenkompetenz
  • Sozialen Kompetenz

Grafik Handlungskompetenz

Sie befähigen nicht zu therapeutischer Arbeit.

 

Inhalte und Schwerpunkte der Qualifikationen nach den Standards des Bundesverbandes Trauerbegleitung e. V.

Sterbebegleitung und Trauerbegleitung sind sehr wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben. Beides sind jedoch verschiedene Bereiche, die sich zwar berühren und teilweise überschneiden: Doch es ist ein Unterschied, ob ein Mensch aus dem Leben (Sterbebegleitung) oder in einem Trauerprozess wieder ins Leben (Trauerbegleitung) begleitet wird. Die Unterschiede die daraus resultieren, sollten Inhalte der Informations- und Qualifizierungsmaßnahmen mit dem Schwerpunkt der Trauerbegleitung und Trauerberatung sein.

Beide Begleitungsprozesse brauchen Menschen, die verantwortungsvoll, sensibel und mit einem vielschichtigen Wissen diese Aufgabe übernehmen. Und diese Begleitenden brauchen dann auch selbst Begleitung, um sich selbst immer wieder zu reflektieren und ihrerseits aufgefangen zu werden.

Zu den Inhalten gehören darum in besonderer Weise die Reflexion der eigenen Trauererfahrungen und der Motivation zur Trauerbegleitung. Neben dem Schwerpunkt „Wissen um Trauer und Trauernde unter Einbeziehung der Erkenntnisse aus der Trauerforschung“ zu erarbeiten, sollten die Teilnehmenden in den Qualifikationen verschiedene Ansätze und Modelle in der Trauerbegleitung kennenlernen und ihre eigenen Handlungsspielräume und Begleitungsfertigkeiten erweitern. Sie sollten das Phänomen der Übertragung und Gegenübertragung kennen und die Abgrenzung und Unterscheidung von Sterbe- und Trauerbegleitung nachvollziehen können. Es ist wichtig, die Grenzen zwischen Therapie und Beratung benennen zu können und eigene Grenzen zu erkennen.

Auch wenn Trauer keine Krankheit ist, kann sie sehr wohl krank machen. Hier gilt es genau die jeweiligen Trauersymptome und Ressourcen der Trauernden zu beobachten und zu erkennen, wann es evtl. auch (Trauma-)therapeutische Unterstützung braucht.

Die Inhalte und der Aufbau der Fortbildungen sollten dabei dem Dreischritt 

  • Selbsterfahrung
  • Theorie-Praxis-Erarbeitung
  • Supervision

folgen. Da sich in der Trauerbegleitung andere Fragen als in der Sterbebegleitung ergeben und damit die Vermischung von Sterbe- und Trauerbegleitung nicht weiter forciert wird, zeigt die Praxis, dass es notwendig ist, gezielt Supervision für Trauerbegleitende anzubieten.

Voraussetzungen für die Teilnahme sollten in der Regel denen der Hospizarbeit entsprechen:

  • (Mindestalter 24 Jahre)
  • Bereitschaft zur Selbsterfahrung
  • psychische Belastbarkeit
  • Schlüsselkompetenzen für die Arbeit mit Trauernden, aber nicht zwingend eine Berufsausbildung
  • Respekt vor Menschen verschiedener Weltanschauungen
  • Wissensinhalte und Themen im Einzelnen

Für die Inhalte heißt das in den einzelnen Bereichen konkret die Bearbeitung folgender Themen:

Fachkompetenz 

  • Abgrenzung und Unterscheidung von Trauerbegleitung und Sterbebegleitung
  • Auftragsklärung
  • Grundwissen über Trauerprozesse und Trauersymptome
  • Wissen um Übertragung und Gegenübertragung im Trauerprozess
  • Systemische Wirkung von Trauer

Methodenkompetenz 

  • Gesprächsführung
  • Kennen lernen kreativer Methoden
  • Krisenintervention (Fähigkeiten, auf Krisen zu reagieren)
  • Prozessgestaltung (Einblick in die Gestaltungsmöglichkeiten eines Begleitungsprozesses)
  • Rituale (beispielhafte Kenntnis und kritische Würdigung)

Selbstkompetenz 

  • Achtung vor der eigenen Entscheidungsfähigkeit und den eigenen Werten des Trauernden
  • Haltungen und Einstellungen reflektieren zu unterschiedlichen religiösen Hintergründen und zu unterschiedlichen Arten von Verlust
  • Reflexion der eigenen Weltanschauung
  • Rollenreflexion
  • Selbstreflexion
  • Rollenreflexion und Selbstreflexion sind ständige Prozesse auch nach der Fortbildung. Deshalb sollen die Teilnehmenden Methoden der Selbstreflexion lernen.
  • Selbstfürsorge (Psychohygiene)

Sozialkompetenz schulen und trainieren durch

  • Lernen in und mit der Gruppe
  • Begegnen von eigener und fremder Trauer
  • Erfahren und erleben von unterschiedlichen Reaktionen und Umgangsweisen
  • Wahrnehmen von eigenen Gefühlen
  • Umgang mit eigenen Gefühlen

Handlungskompetenz

  • Gesprächsführung
  • Prozessgestaltung
  • Erstgespräch
  • Kontrakte, Kontraktgestaltung
  • Abschlussgestaltung
  • Umgang mit Ressourcen und Grenzen
  • der Begleitenden
  • der Begleiteten

Methodische Arbeitsformen

Wünschenswert ist eine begleitete Praxis der Teilnehmenden, Auf jeden Fall sollte ein Praxistransfer durch Fallbesprechung, Rollenspiel, Simulation stattfinden.

Die Vermittlung der Inhalte sollte sich durch kreative Methoden auszeichnen, die das eigene Erleben der Teilnehmenden und die Praxis der Trauerbegleitung unterstützen.

Qualifikation und Arbeitsformen der ReferentInnen 

Folgende fachliche Qualifizierungen sollten im Team vorhanden und abrufbar sein, werden aber nicht von jedem Teammitglied im Gesamten erwartet.

  • akademische Ausbildung
  • didaktische Qualifikation
  • Praxiserfahrung in der Trauerbegleitung
  • therapeutische Ausbildung

Prozessbegleitung der Fortbildung

  • eine Leitungsperson gewährleistet eine kontinuierliche Prozessbegleitung
  • ein Rückgriff auf therapeutisch qualifizierte Teammitglieder ist jederzeit gewährleistet

Qualitätssicherung

Nach Durchlaufen der Qualifizierungsmassnahme sollte kontinuierliche Supervision und regelmäßige Fortbildung z. B. durch Praxistage zu speziellen Themen aus der Trauerbegleitungspraxis und mit Erkenntnissen aus der jeweilig neueren Trauerforschung für nachhaltige Qualitätssicherung sorgen. (gehören zum Aufnahmeantrag in den Bundesverband Trauerbegleitung e. V. der Nachweis über die Große Basisqualifikation und mindestens 15 Stunden Trauerbegleiter-Supervision innerhalb von drei Jahren.)

Ein leidiges und dennoch notwendiges Thema ist die Dokumentation. Sie ist einerseits ein mögliches Instrument zur Selbstreflexion, andererseits dient sie als Nachweis gegenüber Verhandlungs- und Kooperationspartnern, möglichen Geldgebern und den Verantwortlichen in den Hospizgruppen (Vorstand und Koordination). So dient sie auch der Qualitätssicherung.

Hier sei auf die Dokumentationsmappe von Chris Paul hingewiesen, die vor einigen Jahren von der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz, ALPHA Bonn und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin erstellt wurde.

Trauer in der Hospizbegleiter-Befähigung

Trittsteine legen – Trauer von Hospizlern

Sterbebegleiter und Sterbebegleiterinnen haben eine wichtige Rolle und Funktion in der Zeit kurz vor Eintritt des Todes bis zur Bestattung (Rm. Smeding spricht von der „Schleusenzeit“ und „Schleusenwärtern“). Sie können dafür sorgen, dass Tritt- oder Stolpersteine für den weiteren Trauerprozess gelegt werden. Dies ist ein wichtiges Augenmerk in der Hospizbegleiterbefähigung. Doch in der Praxis sind an diesem Punkt immer wieder Unsicherheiten und Hilflosigkeit spürbar. Deshalb stellt sich die Notwendigkeit, hier auch über den Vorbereitungskurs hinaus immer mal wieder spezielle Fortbildungsangebote (z. B. Praxistage) anzubieten bzw. diese Thematik immer wieder in den Begleitgruppen anzusprechen. Dabei sollte einerseits die eigene Rolle, andererseits Möglichkeiten des Handelns (z.B. Rituale) bzw. des „Lassens“ Inhalt sein. Auch die kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Vorstellungen und Werten darüber, was „richtig“ oder „falsch“ in der Schleusenzeit ist, muss ständiger Reflexionsprozess aller Hospizmitarbeitenden sein.

Sterbebegleitende werden durch das – gewollte – Eingehen einer Beziehung zum Sterbenden und zu den Angehörigen auch selbst zu Trauernden. Daraus ergeben sich unterschiedliche Fragestellungen:

1. Es ist nicht sinnvoll dieselben Begleitenden in derselben Sterbe- und Trauerbegleitung einzusetzen. Sie haben u. U. nicht mehr genügend Abstand, sind durch die Beziehung ein Teil des Trauersystems geworden.

2. Es stellt sich die Frage der Loyalität: In der Sterbebegleitung sollen die Wünsche des Sterbenden Vorrang haben, im Trauerprozess geht es um den Angehörigen. Hier könnte sowohl für die Begleitenden als auch für die Angehörigen ein Konflikt entstehen.

3. Wie setzen sich die Sterbebegleitenden mit ihrer eigenen Trauer am Ende einer Begleitung auseinander? Wie nehmen sie selbst und die Koordinatoren diese Trauer war? Gibt es Raum und Rituale für die eigene Trauer?

Es ist gut, wenn Begleitende immer wieder inne halten und sich bewusst machen, dass sie ihre Tätigkeit nur in Beziehungen ausüben können, die sie auch zeichnen. Die Sterbenden und Trauernden vertrauen ihnen ein Vermächtnis über das Leben und Sterben an. Und sie vertrauen sich selbst den Begleitenden an. Das sollte gewürdigt werden – gerade auch durch Zeit nehmen zur Verarbeitung und zur Selbstpflege. Denn: Nur wenn sich Begleitende auch Zeit zur Trauer nehmen, werden sie auch Vorbild für einen gesunderen, natürlicheren und selbstverständlicheren Umgang mit Trauer sein können.